Schauübung der Wehrmacht

Vom Reiterspiel zu Panzerschlacht und Bombenkrieg

Panoramablick auf die Schlacht der Zukunft, 1935

Wie von einem Feldherrnhügel schauten die Besucher auf die Schlachtenkulisse: Panzer greifen an. Lange Rauchfahnen signalisieren Brände; nur noch wenige Häuser des Bückedorfs sind unversehrt.

Sammlung Gelderblom, aus Privatbesitz

Die Darstellung von Gewalt und Krieg erreichte ihren Höhepunkt in der großen Schauübung der Wehrmacht. Neben Hitlers Auftritt war sie wichtigster und längster Programmpunkt.

Die weite Ebene hinter der Rednertribüne bot reichlich Platz, um vor den Zuschauern ein gewaltiges Schlachtenpanorama zu inszenieren. Schauübungen waren auch bei anderen NS-Großveranstaltungen üblich, jedoch mangels Platz nicht annähernd in dieser Größenordnung.

Was am Bückeberg mit Platzpatronen, Kanonenschlägen und künstlichem Nebel veranstaltet wurde, hatte zwar nichts mit echten Manövern zu tun, bot aber den Hunderttausenden ein brutales Szenarium von Gewalt und Krieg. Abgesehen von der Kriegsmarine kamen alle Waffengattungen „kriegsecht“ zum Einsatz.

Militärische Schauübungen auf einem Erntedankfest? Das mag heute erstaunen und befremden. Damals dürfte daran kaum jemand Anstoß genommen haben, im Gegenteil: Die meisten Besucher sprach diese Demonstration von Deutschlands lang vermisster militärischer Stärke an. Zudem bot die Schauübung spannende Unterhaltung.

Schaulustige besichtigen im Bückedorf aufgefahrene Panzerkolonnen am Vorabend des Festes, undatiert (1935 oder später)

Private Sammlung

Die von Jahr zu Jahr aufwendiger gestaltete Schauübung entfaltete eine große propagandistische Wirkung. Dem Ausland demonstrierte sie provokativ Deutschlands wachsende militärische Stärke; nach innen stimmte sie auf forcierte Aufrüstung und letztlich auf einen erneuten Krieg ein.

1937 bildete sie bereits ein Stück Kriegsrealität ab: Die Luftwaffe kam mit dem gleichen schweren Bombertyp zum Einsatz, der kurz zuvor die spanische Stadt Guernica zerstört hatte.

1933

Reiterübung der Reichswehr, 1933

Ostwald (Hrsg.), Erntedankfest 1933, S. 68

Die Kavallerie der Hamelner Garnison präsentiert Reiterübungen, formiert sich unter anderem zu einem sich um seine Achse drehenden Hakenkreuz.
 
 

 

 

 

 

 

1934

Das in Brand geschossene Bückedorf, undatiert (1935 oder später)

Sammlung Gelderblom, aus Privatbesitz

Kavallerie, Kradschützen und Infanterie schießen Häuser eines erstmals eigens errichteten Kulissendorfes in Brand.
 

1935

Panzerangriff , begleitet von der neuen Luftwaffe, undatiert (vermutlich 1935)

Private Sammlung

Die neue Wehrmacht führt – nach dem Bruch des Versailler Vertrages – provozierend ihre modernsten Waffen vor: Panzer, Bombenflugzeuge und Luftlandetruppen.
Das umkämpfte Bückedorf, das Pioniere errichtet hatten, geht im Panzerkampf und im Bombenhagel in Flammen auf. Die Lokalzeitung Dewezet spricht geradezu hellseherisch von der „Schlacht der Zukunft“.
 

1936

„Nebelaktion“ der Wehrmacht, 1936

Stadtarchiv Hameln, Best 602 A Nr. 168 / Pressedienst Reichsbahn- direktion Hannover

Wieder kommen auch Bombenflugzeuge und Fallschirmjäger zum Einsatz. Das Kulissendorf trägt – in Anlehnung an eine Goebbels-Kampagne gegen vermeintliche NS-Gegner (Meckerer und Miesmacher) – den Namen Meckererdorf.

Die ungebrochene Faszination von Krieg und Gewalt:

„Aber es war doch … ein großartiges Bild, wie die riesigen Gebäude in prasselnden Flammen aufgingen, umgeben vom Kampfgewoge, eingehüllt in Rauch und Nebel.

Besonders wirkungsvoll war es, als die Flieger auf das brennende Dorf herabstießen, aus einer dichten Nebelwand heraus die Tanks durch das Dorf rasten und unter ohrenbetäubendem Lärm rücksichtslos … über Mauern, Zäune und den Friedhof hinwegfuhren.“

Täglicher Anzeiger Holzminden vom 1.10.1936

1937

Bombenflugzeuge über dem Bückedorf, Postkarte 1937

Sammlung Gelderblom, Postkarte aus Privatbesitz

An der auf eine volle Stunde ausgedehnten Schauübung nehmen 10.000 Soldaten mit 2.000 Panzern und Fahrzeugen teil. Bombenflugzeuge zerstören eine improvisierte Weserbrücke, das Bückedorf geht einmal mehr in Flammen auf.

Am 26. April 1937 hatte die deutsche Luftwaffe während eines Einsatzes im Spanischen Bürgerkrieg die Stadt Guernica zerstört – das erste Kriegsverbrechen des NS-Staates.  

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