Die Rezeption des Festes

Verklären und Verdrängen

Luftbild des historischen Ortes, 2013

Die historische Bückebergstraße ist auf beiden Seiten bebaut. Die unteren drei Häuser stehen auf dem ehemaligen Kundgebungsgelände. Die dichten Baum- und Buschzonen markieren die Grundfläche der oberen Tribüne und den östlichen Geländeabfall.

Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen, Hannover

Ohne die einheimische Bevölkerung gefragt zu haben, hatte das NS-Regime das Reichserntedankfest in den Jahren 1933 bis 1937 am Bückeberg spektakulär in Szene gesetzt. Die betroffenen Gemeinden begriffen die Veranstaltung jedoch rasch als Chance für die Region.

  • Die Mehrheit der Einheimischen war davon begeistert, alljährlich im Herbst für einige Tage das Medienereignis schlechthin in Deutschland zu sein.
  • Die Stadt Hameln sah sich gar als Nürnberg des Nordens.
  • Arbeitern und Handwerkern verschaffte die Großveranstaltung Arbeit. Handel und Gastgewerbe versprach sie gute Geschäfte.

Diejenigen, die sich der Massenveranstaltung entzogen oder von ihr ausgeschlossen wurden, waren eine Minderheit und hatten in der Diktatur keine Stimme.

Nach 1945 wurde das Reichserntedankfest als Teil der NS-Vergangenheit „entsorgt“: In den beteiligten Orten fand ein Bemühen um eine kritische Betrachtung der Feste und der eigenen Beteiligung daran öffentlich nicht statt.

 

Endzustand des Kundgebungsgeländes, undatiert (nach 1937, womöglich 1950)

Stadtarchiv Hameln, Best 603 A Nr. 00433-007

In ihren privaten Erinnerungen verklärten und verharmlosten viele Menschen rund um den Bückeberg die NS-Veranstaltung zum fröhlichen Volksfest und wollten nicht begreifen, dass diese als Beschwörung einer faschistischen Volksgemeinschaft ganze Menschengruppen von der Teilnahme ausgeschlossen hatte und zunehmend der psychologischen Kriegsvorbereitung diente.

Wer wollte auch die Teilnahme an einem Fest kritisieren? Am Bückeberg war schließlich kein Mord geschehen!

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